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Pratyahara - Die fünfte Stufe des Pfad des Patanjali

von Claudia Stegmann

Die ersten 4 Stufen des Pfad des Patanjali habe in den letzten Wochen schon näher erläutert. Darum ist heute die 5. Stufe Pratyahara -Rückzug der Sinne- dran.

Genau genommen geht es darum, die Sinne nicht jedem Reiz folgen zu lassen bzw. sie bewusst von äußeren Einflüssen zurückziehen und nach Innen zu kehren. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas kompliziert, aber es begegnet uns im Alltag deutlich häufiger, als gedacht. 😉

Mehr Bedeutung denn je

Mit steigenden multimedialen Einflüssen gewinnt für mich diese Stufe immer mehr an Bedeutung. Gefühlt dreht sich die Welt schneller, bunter und lauter als sie es noch vor einigen Jahren getan hat. Nehmen wir nur mal das Beispiel Kommunikation im Alltag. Vor ca. 30 Jahren beschränkte sich diese fast ausschließlich noch auf Telefonate, Briefe und persönliche Gespräche. Heute strömen Nachrichten per E-Mail, über diverse Messenger, in sozialen Netzwerken zusätzlich auf uns ein. Dadurch hat sich sowohl die Anzahl als auch die Erwartungshaltung an eine Reaktion deutlich erhöht. 

Das Zeitalter „always on“ ermöglicht uns nonstop Informationsfluss und ständige Erreichbarkeit. Aber ist das wirklich ein erstrebenswertes Ziel? Und was macht das mit unseren 5 sensiblen Sinnen Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen?

Pratyahara im Yoga

Wenn ich Anfängerkurse unterrichte, erzähle ich in der ersten Stunde immer, dass die Gedanken und Augen auf der eigenen Matte bleiben sollten. Zum einen, um Ablenkung und Vergleiche mit dem Nachbarn zu vermeiden. Zum anderen aber auch, um den visuellen Reiz gering zu halten. Außerdem lasse ich die Musik in den Stunden meist aus. Dadurch ist die Konzentration auf das Gesagte sowie dessen Verarbeitung und Umwandlung in "Matten-Action" deutlich besser. 😉

Im Yoga nutzen wir aber auch häufig das Schließen der Augen, um die Konzentration voll und ganz auf den Moment, die Asana, die eigene Wahrnehmung oder die Entspannung zu lenken.

Alltagstauglicher als gedacht

Nehmen wir zum Beispiel eine Flug- oder Zugreise. Häufig sehen wir hier Menschen mit Ohropax oder Noise-Cancelling-Kopfhörern. Also ein ganz bewusster Rückzug von den Umgebungsgeräuschen, um sich während der Reise auf andere Tätigkeiten wie Lesen oder Arbeiten konzentrieren zu können. Manchmal kann man sogar die Abschaltung eines zweiten Sinnes gleichzeitig beobachten, indem die Augen geschlossen werden für einen kurzen Powernap oder einen ausgiebigen Langstrecken-Schlaf. 😉

 

Aber eingangs war auch die Rede davon, die Sinne nicht jedem Reiz folgen zu lassen. Zum Beispiel das interessante Gespräch der Mitreisenden ganz bewusst auszublenden ohne Hilfsmittel. Das ist schon deutlich schwieriger und erfordert, meiner Meinung nach, sehr viel Übung und Konzentration auf sich selbst. Aber damit wird es zu einer wunderbaren Alltagsübung. 🙃

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